Fahrtensegeln in Friesland/Holland (Ein Beitrag von Gerhard Höhl)


Fahrtensegeln in Friesland/Holland

Wir, Wolfgang Staub und Ich (Gerhard Höhl) befuhren mit dem Jollenkreuzer Sturmvogel, 6.50 m  vom 21.-29.Mai 2017 das Segelrevier Friesland östlich des Ijsselmeers. Friesland besteht aus 1200 km Seen und Kanälen, die zu einem großen Teil von Booten befahrbar sind.

Kurzbeschreibung des Fahrtengebiets

Unter Segel und Motor zurückgelegt:  210 km

Heeg, Ijst, Sneek, Akkrum, Grow, IJst, Bolsward, Workum, Gaastmeer, Sloten, Balk, Woudsend, Heeg

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Eingesetzt wurde der Jollenkreuzer auf dem Campingplatz in Heeg am Heeger Meer, dem größten See Frieslands.  Von dort ging die Bootstour nordöstlich über Kanäle nach IJlst , einem  kleinen Ort mit hübschen Gartenanlagen am Kanalufer und weiter nach Sneek, der größten Stadt in diesem Gebiet.  Durch etliche Brücken fuhren wir auf den Grachten mitten in die Altstadt und blieben dort über Nacht. Nach dem Frühstück besichtigten wir die Altstadt und aßen unseren 1. Fisch einen Lekkerbek (Kabeljaufilet in heißem Öl gebackenen).  Sehenswert ist in Sneek das Schifffahrtsmuseum. Unter Motor befuhren wir bei heftigem Wind das Sneeker  Meer und verwinkelte Kanäle nach Akkrum, wo wir in dem Passantenhafen  ganz allein  einen schönen Liegeplatz  belegten. Beim Abendessen an einer Sitzgruppe neben dem Boot kam die Hafenmeisterin des Ortes und kassierte die Hafengebühr. Wir wollten sie zu einem Glas Wein einladen, sie musste aber noch in einem anderen Teil des Ortes die Hafengebühr erheben.  Außerdem wollte sie am nächsten Tag mit einem Segelboot  zu den Inseln Texel und Terschelling segeln. Wir schenkten ihr eine Flasche Rotwein, die sie mit auf die Segeltour mitnehmen wollte.

Am nächsten Tag fuhren wir über Kanäle zu dem malerischen Ort Grow, den wir nach einem Kaffeehausbesuch zu Mittag wieder verließen und über den Prinses Margriet Kanal  erreichten wir das Sneeker Meer, wo wir wieder segeln konnten. Durch etliche Brücken an denen wir nie lange warten mussten durchquerten wir Sneek  und  erreichten am Spätnachmittag IJlst,  wo wir mitten im Ort  für die Nacht blieben. Dusche und Toilette gleich nebenan.

Zur Kanalfahrt nach Bolsward mussten wir zum ersten Mal an einer Brücke längere Zeit warten, die weiteren Brücken einschließlich einer Eisenbahn Drehbrücke  öffneten sich sofort. In Bolsward hätten wir 1 Stunde zur Mittagszeit warten müssen, deshalb motorten wir weiter nach  Workum, einem  romantischen Städtchen, wo wir im Hafen mitten in der Stadt einen Liegeplatz  bekamen.  Auf dem Platz mit Kirche und der alten Waage ließen wir uns bei einem italienischen Restaurant  die Spaghetti und den Salat schmecken.  Im Hafen wurden wir von einer Segelcrew zu einem Münsterländer Kräuterschnaps eingeladen, dort stammten die Segelkameraden  her, bei einem blieb es nicht. Wir revanchierten uns mit einer Flasche Rotwein, fanden aber noch rechtzeitig den Absprung wollten wir doch am nächsten Tag  weiter gen Süden.

Nach der Durchfahrt von 3 Brücken erreichten wir nach einer kurzen Kanalfahrt das große Gaastmeer,    einem beliebten  Ausflugsort wo wir uns in einem Cafe den Nusskuchen und Oranjekuchen schmecken ließen.  Im Heeger Meer wehte eine steife Brise und wir segelten in Richtung Woudsend, das an einem Kanal liegt. Hier war durch den Feiertag ( Christi Himmelfahrt) reger Schiffsverkehr, alle Liegeplätze am Ufer belegt, sodass wir uns entschlossen nach Balk am Sloter Meer zu segeln. In Balk legten wir im Kanal an und marschierten in Richtung Ortsmitte, ein langer Weg, nur der Genuss einer grossen Eisportion rettete uns, denn es wurde jeden Tag wärmer. Bei der Gelegenheit lernten wir eine Familie aus Utrecht kennen.

Wir wollten eigentlich weiter nach Lemmer, das am Ijsselmeer liegt, doch die Erfahrung mit den überfüllten Häfen ließ uns davon abkommen. So segelten wir nach Sloten, wo wir an einem Schilfgürtel an einem neuen Steg festmachen konnten. Am Abend grillte Wolfgang  in der Plicht Würste und Fleischspieße, dazu gab es Dosenbier.

Mit Rita und Willi Goebel vom Germersheimer Seglerclub, die in Lemmer einen Dauerliegeplatz für ihr Segelboot gemietet haben, verabredeten wir uns  am nächsten Tag für den Nachmittag im Passantenhafen in Heeg. Davor fuhren wir wieder nordwärts über Woudsend ins Heeger Meer, wo wir mit Halbwind 5-6 Windstärken  in Richtung Stavoren segelten. Kurz vor Stavoren  wurde in einer Kanalverengung der Wind noch stärker, daher entschlossen wir uns bei dem dichten Schiffverkehr umzukehren und nach Heeg zurückzusegeln. Im Passantenhafen von Heeg legten wir an und kurze Zeit später kam auch das Ehepaar Goebel mit ihrem Schiff an. Nach einem Begrüßungstrunk holten wir alle unsere Essensvorräte und ließen uns das Abendessen mit Bier und Wein schmecken.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück trennten sich unsere Wege wieder. Rita und Willi fuhren südwärts Richtung Lemmer, Wolfgang und ich segelten am Vormittag bei 5-6 Windstärken auf dem Heeger Meer, machten Rast auf einer kleinen Insel und wollten um 16.00 Uhr in Heeg 2 Brücken zu unserem Ausgangspunkt passieren. An der 1. Brücke sagte uns die Brückenbedienerin, dass die 2. Brücke defekt sei. Da die Reparaturzeit ungewiss war, beschlossen wir bei einer Dame, die sich am Kanal im Liegestuhl sonnte, anzulegen was sie auch erlaubte. Wir legten an der Spundwand an, legten den Mast und bedankten uns mit 1 Flasche Rotwein. Gut, dass wir genügend mitgenommen hatten. Wir tuckerten ganz langsam auf die Brücke zu, halb unter der Brücke stellte sich heraus dass der Mast 5 cm zu hoch war, wir lösten am Bug den Gummispanner etwas und Wolfgang drückte das Mastende etwas nach unten, so reichte es für die Durchfahrt.

Den letzten Abend verbrachten wir an der Gracht in Heeg in einem Restaurant  mit einem ausführlichen Fisch- und Fleischgericht mit viel Gemüse. Beim Rotwein auf dem Schiff wurden wir mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

Am nächsten Tag  wollten wir ja heimfahren, doch am Morgen regnete es erst mal 1 Stunde, doch dann kam wieder die Sonne.  Wir holten das Boot aus dem Wasser, beluden das Auto und machten uns auf den Heimweg.

Fazit: Dank des schönen Wetters konnten wir unsere geplante Rundreise durchführen, wenn auch der Wind nicht immer aus der gewünschten Richtung wehte.  Wir haben nur einen Teil von Friesland befahren, es gibt noch viel zu sehen – bis zum nächsten Mal.

Text und Bilder: Gerhard Höhl

 

Wochenend-Törn “ijesselmeer”

Kanäle, Seen, Schleusen, Brücken und Häfen – Friesland!

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Friesland und das Ijesselmeer (der Niederländer nennt das Meer “See”  und einen See “Meer”)  sind wohl die Wassersportregionen in Europa die auf einzigartige Weise Binnengewässer, Off-Shore und eine unendliche Anzahl an oft besegelbaren Kanälen bieten.

Gerade am Wochenende hat man das Gefühl  ganz Friesland und die Wassersportler aus dem nahen Ruhrgebiet sind alle auf dem Wasser. Dabei geht es erstaunlich entspannt zu. Es scheint die Parole leben und leben lassen gilt bedingungslos als die Hauptphilospie. So kann man durchaus einer Boots-Mischung vom  Opti über den  Laser, jeder Menge Tuckerboot, Jollen, kleinern und größeren Segel und Motoryachten begegnen die  segelnd oder per Motor in friedlicher (friesischer!) Koexistenz  auf den Kanälen unterwegs sind.

Dennoch ist für alle Platz und wo es eng wird rückt man eben noch enger zusammen.

Fast glaubt man Boote (insbeondere Segelboote) haben gegenüber dem Strassenverkehr Vorfahrt. Ob Brücken oder Schleussen, immer wieder muss der Autoverkehr mal warten bis Brücken passiert sin oder die Schleuse ihre Arbeit verrichtet hat.

Nun die Anfahrt an einem Freitag (Urlaubszeit war etwas anstrengend) die rund 550 km ab Karlsuhe die man sonst bis Lemmer in 4-5h bewältig zogen sich ein wenig hin.

So mußte Willy Göbel der mich eingeladen hatte  ein wenig warten bis ich endlich in Lemmer ankam. Kurzentschlossen machten wir noch eine Abendtour durch die benachbarten Häfen. Überwältigend viele Anleger, Boxen, Häfen und Häuschen mit Anlegern befinden sich alleine im Gebiet “Brekken”.  Das ist nur ein kleiner Teil der Wasserfläche und  trotzdem hat alles einen beschaulichen Charme.

Segeltag:

Für den Samstag waren sich widersprechende Wettermeldungen im Umlauf.  Wir haben uns einfach die passende Meldung ausgesucht und nach der Passage der großen Schleuse konnten wir bei gutem Wind Enkhuizen anlegen. Willi und sein Boot konnten sicht gut im Feld der größeren Boote  behaubten und wir nahmen diesen oft noch Meter für Meter ab.

Kurz vor Enkhuizen ging der Wind dann in die Knie und der Diesel musste noch für ne knappe Stunde ran. Der Gemeindehafen war schon sehr voll. Kein Problem man geht eben ins 4er 5er oder gar 6er Päckchen. Da gibts keinen Unmut das ist hier so und gehört zum Hafenflair. Wer es ruhig haben will geht in kleiner Marinas oder vor Anker. Eine schöne Alternative für Wasserwanderer sind die Marrekrite.  Inzwischen gibt es in Friesland etwa 260 solcher Anlegestellen. Die Liegeplätze der Marrekrite sind kostenlos, wenn Sie einen Marrekrite-Wimpel am Boot führen (einmalig 13 Euro). Marrekrite sind oft sehr naturnahe romantische Anlegestellen ohne besondere Logistik von Vereinen gepflegt. Im Prinzip einfache Wasserrastplätze mit Mülleimer z.B. mit Zelt- und Grillerlaubniss.

Kaum waren wir festgemacht und hatten uns am nahen Frittenstand gestärkt  und hatten überlegten  wir ob Landleinen zur Entlastung ausbringen, da  wurde der Himmel dunkel.

Die Entscheidung wurde uns abgenommen. Ein weiteres Boot ging längseits ins Päckchen und unser Plan war es das dieses nun die richtige Crew für das Ausbringen von Landleinen sei (natürlich mit unserer heldenhaften Hilfe 🙂 .    Doch zunächst wurde die große Schiffswaschanlge angeworfen. Sprich kräftige Schauer wollten gemütlich unter der Kuchenbude abgewettert werden.  Das war bald vorbei und es konnten alle seemännischen  wichtigen Aufgaben wie ein Anlegerdrink und natürlich die Landfeste  und später der Landfall in Angriff genommen werden.

Lebhaft, familiär und beschaulich  – das passt alles auf Enkhuizen.  Und so kehrte dann auch langsam Ruhe im Hafen ein.

Sonntag:

Schon bald nach dem Frühstück zog es uns hinaus. Der Wind war mit 3-4 bft eigentlich ganz gut aber zu achterlich für unsere möglichen Kurse bei normaler Besegelung.  Nach etlichen Erwägungen entschieden wir uns Spi zu segeln.

Die etwas unkonventionelle aber wirksame Art von Willi den Spie zu setzen führte bei mir erst zu ein paar neuen grauen Haaren und dann aber ganz schnell zu  viel Segelspass.  Dem Wind geschuldet legen wir Kurs zurück nach Lemmer.  Dabei zogen wir an Booten die sich nur von der Genua ziehen liessen und auch an einem Plattbodenboot vorbei. Erst kurz vor der Schleuse verbannte Willi den “großen Bunten” wieder in seinen Segelsack und unter Motor ging es wieder durch die Schleuse.

Da uns der Spi schnell über das Meer gezogen hatte war Zeit und so machten wir noch eine ausgiebige Rundfahrt über Woudsend, Sneek und zurück über den Prinses Magrietkanaal zum Heimathafen.

Da haben wir in 2 Tage richtig viel Erlebnis hineingepackt.

Wer in der Region segeln geht sollte sich aber  ein bischen mehr Zeit mitbringen. Es gibt viele weitere “Meere” und man kann sich durchaus auch mal hinaus auf die Nordsee wagen. Da können selbst 10 oder 14 Tage noch kurz sein.

Und Willi – na der bleibt noch viele Tage und Wochen in der Saison P1040782 P1040671 P1040673 P1040690 P1040699 P1040703 P1040752

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Entdeckung der Lahn(samkeit)

  

Eine Bootstour auf der Lahn von Runkel bis Lahnstein

 

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   Schon oft hatte ich mit dem Auto das Vergnügen ab und an im Lahntal unterwegs zu sein. Immer wieder dachte ich, da müsste man doch mal mit dem Boot die Lahn erkunden.

Nun im Juli fanden sich ein paar Tage und der Plan konnte zur Tat werden. Am Dienstag trafen wir an der Lahn ein.

Wir, also Gudrun und Raimond sowie Lillie der Yorkshire-Terrier brachten unsere “All you need” den 16er Jolli an die Lahn.

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Bootsmann “Lillie”

Die einschlägigen Infos sprachen von mehreren Slipmöglichkeiten in Dehrn, Runkel oder Limburg. Allesamt waren aber nur für kleinere Boot geeignet oder ungünstig angelegt. Ideal war dann der Slip im Campingplatz Dietz, auch wenn wir wegen der Wassertiefe den Jollenkreuzer fast vom Trailer hieven mussten. Aber man konnte wenigsten das Boot gleich am Steg anlegen und den Trailer und das Auto parken. 

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So die erste Hürde war geschafft. Wäre es nicht schon später Nachmittag wir hätten noch  losfahren  können.  Wir hatten aber eine Einladung zum Grillen bei der Familie meines Neffen Andreas. Das war schon mal ein sehr gelungener Tag und Abend. 

Spät kehren wir aufs Boot zurück. Es war schon ein Unterschied zu den 40Fuss Booten die wir so oft chartern. Aber kaum in der Koje fanden wir es auch super gemütlich in unserer Jollenkreuzer-Wohnhöhle.

An Bord ist alles einfach – aber es fehlt an nichts – außer vielleicht an einer Toilette die den Gang an Land ersparen würde. Das aber ist vom Platz schlicht nicht möglich.

Mittwoch 13.7.2011   

So endlich war es soweit. Gemütlich gingen wir es an  und fuhren erstmal zu Berge. Vorbei am Mühlchen bei Diez bis zur Schleuse Limburg und dann weiter nach Dietkirchen. Dort war leider die berühmte “alte Fähre” geschlossen. Ruhetag am Mittwoch – na das fing ja gut an. Die Bordküche gab aber genügend her und selbst kalte Getränke lieferte die Kühlbox.

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Schleuse Limburg – Unterwasser

Nach einem kleinen Landgang ging es weiter zu Berge. Vorbei an Runkel und dem Yachtclub dort, der auch zahlreiche Gastliegeplätze bei Wassertiefen von 1,1- 1,5 meter hat.  Eigentlich ist hier das für Boote (ausgenommen Schauchboote etc) befahrbare Gebiet zu Ende. Da wir aber unser Schwert etwas anheben konnten wollten wir weiterfahren. Weit kamen wir nicht nach etwa einem Kilometer war es steinig und flach, das sich die Weiterfahrt verbot. Ruder und Motor mussten schon ab und an etwas leiden.  Wenden war bei flachem Wasser und merklicher Strömung gar nicht so einfach –  fehlte doch die Spurhaltung  durch das Schwert. Direkt nach der Drehung schoss das Boot ohne Ruderwirkung  auf  die Uferbüsche zu.  Beherztes Vollgas – Rückwärts und Gudruns Einsatz auf dem Vorschiff brachten uns wieder auf Linie. Mit größter Vorsicht und nur soviel Fahrt wie nötig, um Ruderwirkung zu haben, ging es nun zu Tal. 

Mit einem anderen Boot hätte man das Wenden gleich auch mit einem Schlag rückwärts realisiert. Mit dem Jollenreuzer nicht so gerne. Beim Auflaufen auf Steine unter Wasser in Fahrt vorwärts klappen Schwert und Ruder hoch.  Bei Fahrt rückwärts gegen ein Unterwasserhinternis aber könnte Schaden entstehen.    

Die zahlreichen Kanufahrer haben dieses Problem natürlich nicht. Im Gegenteil, für die ist der ober Teil der Lahn der spannendere.

So nach dem kleinen Abenteuer ging es nun und die nächsten Tage flussab, oder zu Tal wie man auch sagt.

 Die Lahn hat ab Runkel (Fluss-KM 70) noch knapp 67 Km bis Lahnstein (KM 137)  zu bieten. Eine sehr gemächliche Strömung lässt Fahrten mit guter Geschindigkeit in beide Richtungen zu. Wenn es mal mit mehr als 3km fliest ist es schon ungewöhnlich. Übrigens  steht oft der Wind gegen die Strömung. Optisch sieht es dann so aus als ob die Lahn zu Berge fliesen würde.  Der Wind hat, wie so oft, auch einen Namen –  “Lubentius-Wind” – benannt nach dem Heiligen Flusspatron  der Lahnfischer.

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Lubensius Statue an einem Schleusenkanal

 

Dieser  Wind wehte uns nun bei der Talfahrt kräftig ins Gesicht. Aber, das schon vorweg, wir blieben den ganzen Urlaub trocken.

Nun führte uns unsere Fahrt nach Limburg. Dort blieben wir über Nacht und legten unter der hohen Autobahnbrücke am Campingplatz an. Das Gasthaus  direkt am Platz ist zu empfehlen. Wir besichtigen zuerst das Schwimmbad und dann die Altstadt. Für Lahnbesucher ist Limburg ein Muss. Die Altstadt ist einfach ein absolutes Highlight – auch dann wenn man wiederholt hier war.  An den vielen tollen Kneipen, den Gassen und Fachwerkhäusern kommt man einfach nicht vorbei.

Donnerstag: 14.7.2011  

Wir schleusen nun ab. Das ist viel einfach als zu Berge. Beim schleusen zu Berge will die Strömung in der Kammer,  insbesondere im vorderen Teil, schon bewältigt werden um das Boot ruhig zu halten.  Deshalb, wenn immer möglich so weit wie möglich hinten bleiben.  Aber gut gefendert und mit einer Vorleine und einer Heckleine an den Gleitstangen geht es ganz gut.  

Heute geht es gemütlich den Fluss hinunter. Unser Ziel ist Laurenburg. Wir legen dort am späten Nachmittag an und haben einen sehr gemütlichen Flussfahrttag hinter uns. Wir haben Reiher, Gänse, Enten und sogar Eisvögel gesehen und uns an der Landschaft erfreut. Schon ein paar Kilometer  vor  Laurenburg  hat sich die Landschaft verändert. Das Tal wird enger und die bewalteten Berghänge lassen fast nur noch der Lahn Platz. Auch für die Handyfunkstrahlen reichte wohl der Platz nicht mehr.  Wir erklommen die Laurenburg  um ein wichtiges Gespräch zu führen – vergebens – kein Empfang!   Im Ort, eine magentafarbene Säule bot Kontakt mit der Aussenwelt – kompliziert und mit Eingabe von Kreditkartendaten – aber es klappte und musste auch klappen.   Schliesslich wollten wir am nächsten Tage ein paar Nachwuchsbootsfahrer einen Tag an Bord nehmen.

 Freitag: 15.7.2011

Heute kommen Lynn, Max und Felix (3 von 4)  Kindern meines Neffen Andreas an Bord. Nach anfänglicher Skepsis kommt Spass und Gelassenheit auf. Alle steuern mal und bewegen sich sicher an Bord. Und aus der kurzen Testfahrt wird ein ganzer Tag –  ach am liebsten währen die drei auch noch über Nacht geblieben.

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Wir passieren weitere Schleusen, was den Kindern sehr imponierte. Vorbei am einzigen Lahnwein-Ort Obernhof, durch die Schleuse Kalkofen, später durch die Schleuse Hollerich. Geplant war es in Nassau zu Mittag zu essen, aber die Kinder hatten schon früher Hunger.

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Kein Problem es waren genügend Nahrungsmittel und Getränke an Bord. Satt zum Mittagessen legten wir späeter am frühen Nachmittag  in Nassau an und liessen uns mit Kaffee, Eis, Kuchen und Radler verwöhnen.  Da alle schon an Bord gegessen hatten, nahmen wir 2 Pizzas to go mit und das war auch gut so!

Wir kamen am schiefen Turm von Dausenau vorbei und langsam kam Bad Ems in Sicht. Vorher aber wurde die Pizza vernichtet.   Übrigens Andreas hat seine Kinder auf der Fahrt per Fahrrad begleitet und von so mancher Brücke oder Schleuse fotografiert und gewunken.  In Bad Ems tobte das Leben. Livemusik, Fressmeile, Kinderjahrmarkt und Brückenfest sorgten dafür.  Drachenboote übten für das nächste Rennen und Liegeplätze waren laut und rar. Deshalb liefen wir die Marina Kutscher an. Diese liegt ruhig und verfügt über alles was der Bootsfahrer braucht. Die Stadt ist in  10 Fussminuten zu erreichen und Nachschub  kauft man bei Aldi oder Lidl. Beide sind sehr nahe.  Wir besuchten ein wenig die Stadt und bald mussten die Kinder Abschied nehmen. Sie fuhren mit Vater und Zug nach Hause. Vorher aber haben alle noch ein paar Knoten gelernt.

Übrigens ist neben der Marina Kutscher auch gleich der Bootsservice Kutscher. Mit diesem vereinbarten wir das herauskranen des Boots am Samstag bis spätestens 16.00 Uhr oder wenn es uns knapp wird am Sonntag um 11.00 – Ja richtig gelesen, auch am Sonntag wird dort gekrant.  Der Neffe Andreas würde das Gespann beibringen, so dass wir quasi den Samstag noch ohne Stress im Rahmen “Genuss der Lahnsamkeit” angehen konnten. 

Samstag: 16.7.2011   

Unser letzter Bootstag auf der Lahn. Wir wollten noch weiter zu Tal bis kurz vor den Rhein. Enge Talschleifen wechseln hier mit engen Schleusen und Schleusenkanälen ab. Kurz vor dem Rhein dann Lahnstein und eines der vielen Wirtshäuser an der Lahn.  Wir kehrten um und fuhren 4 Schleusen zu Berge bis vor den Kran bei Firma Kutscher in Bad Ems. Und bald war das Boot auf dem Trailer.  Wir blieben noch über Nacht im Boot auf der Wiese vor Andreas Haus und genossen noch mal deren Gastfreundschaft bevor es am Sonntag dann nach Hause ging.

 Resümee: Die Lahn ist in jedem Fall eine Reise wert. Ob im eigenen Boot der Unterlauf oder im Kanu ab Weilburg, oder per Rad oder per Pedes. Bootsfahrer tun gut daran dem Band Mosel/Lahn von Fenzel nicht zu sehr zu vertrauen. Seit Erscheinen 2004 hat sich vieles verändert. Einige Sliprampen und Bootsclubs gibt es nicht mehr und die Werft mit Kran und Runkel kennt niemand. Besser, oder genauer zusätzlich ist es sinnvoll sich über die Seite http://www.bcl-lahn.de/ zu informieren.   

 Statt in Diez oder Limburg zu slippen würde ich nach den Erfahrungen in Bad Ems kranen und  eben zu Berge und zu Tal fahren. Will man nur den Fluss erkunden reichen 4-5Tage aus. Hat man mehr Zeit kann man ggf. noch über den Rhein in die Mosel  oder es umgekehrt mit einer Moseltour verbinden.

Das schönste an der Lahn ist die Kombination von Gelassenheit, Ruhe und faszinierender Natur. Ab und zu gewürzt durch Städte, Burgen und Schlösser die begeistern. Auf der Lahn ist keine Berufsschifffahrt – nur Freizeit- und ab und an Fahrgastschifffahrt.

 In diesem Sinne – fahrt doch mal hin

        

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