Fahrtensegeln in Friesland/Holland (Ein Beitrag von Gerhard Höhl)


Fahrtensegeln in Friesland/Holland

Wir, Wolfgang Staub und Ich (Gerhard Höhl) befuhren mit dem Jollenkreuzer Sturmvogel, 6.50 m  vom 21.-29.Mai 2017 das Segelrevier Friesland östlich des Ijsselmeers. Friesland besteht aus 1200 km Seen und Kanälen, die zu einem großen Teil von Booten befahrbar sind.

Kurzbeschreibung des Fahrtengebiets

Unter Segel und Motor zurückgelegt:  210 km

Heeg, Ijst, Sneek, Akkrum, Grow, IJst, Bolsward, Workum, Gaastmeer, Sloten, Balk, Woudsend, Heeg

 Weiter lesen – Ausführlicher Reisebericht

Eingesetzt wurde der Jollenkreuzer auf dem Campingplatz in Heeg am Heeger Meer, dem größten See Frieslands.  Von dort ging die Bootstour nordöstlich über Kanäle nach IJlst , einem  kleinen Ort mit hübschen Gartenanlagen am Kanalufer und weiter nach Sneek, der größten Stadt in diesem Gebiet.  Durch etliche Brücken fuhren wir auf den Grachten mitten in die Altstadt und blieben dort über Nacht. Nach dem Frühstück besichtigten wir die Altstadt und aßen unseren 1. Fisch einen Lekkerbek (Kabeljaufilet in heißem Öl gebackenen).  Sehenswert ist in Sneek das Schifffahrtsmuseum. Unter Motor befuhren wir bei heftigem Wind das Sneeker  Meer und verwinkelte Kanäle nach Akkrum, wo wir in dem Passantenhafen  ganz allein  einen schönen Liegeplatz  belegten. Beim Abendessen an einer Sitzgruppe neben dem Boot kam die Hafenmeisterin des Ortes und kassierte die Hafengebühr. Wir wollten sie zu einem Glas Wein einladen, sie musste aber noch in einem anderen Teil des Ortes die Hafengebühr erheben.  Außerdem wollte sie am nächsten Tag mit einem Segelboot  zu den Inseln Texel und Terschelling segeln. Wir schenkten ihr eine Flasche Rotwein, die sie mit auf die Segeltour mitnehmen wollte.

Am nächsten Tag fuhren wir über Kanäle zu dem malerischen Ort Grow, den wir nach einem Kaffeehausbesuch zu Mittag wieder verließen und über den Prinses Margriet Kanal  erreichten wir das Sneeker Meer, wo wir wieder segeln konnten. Durch etliche Brücken an denen wir nie lange warten mussten durchquerten wir Sneek  und  erreichten am Spätnachmittag IJlst,  wo wir mitten im Ort  für die Nacht blieben. Dusche und Toilette gleich nebenan.

Zur Kanalfahrt nach Bolsward mussten wir zum ersten Mal an einer Brücke längere Zeit warten, die weiteren Brücken einschließlich einer Eisenbahn Drehbrücke  öffneten sich sofort. In Bolsward hätten wir 1 Stunde zur Mittagszeit warten müssen, deshalb motorten wir weiter nach  Workum, einem  romantischen Städtchen, wo wir im Hafen mitten in der Stadt einen Liegeplatz  bekamen.  Auf dem Platz mit Kirche und der alten Waage ließen wir uns bei einem italienischen Restaurant  die Spaghetti und den Salat schmecken.  Im Hafen wurden wir von einer Segelcrew zu einem Münsterländer Kräuterschnaps eingeladen, dort stammten die Segelkameraden  her, bei einem blieb es nicht. Wir revanchierten uns mit einer Flasche Rotwein, fanden aber noch rechtzeitig den Absprung wollten wir doch am nächsten Tag  weiter gen Süden.

Nach der Durchfahrt von 3 Brücken erreichten wir nach einer kurzen Kanalfahrt das große Gaastmeer,    einem beliebten  Ausflugsort wo wir uns in einem Cafe den Nusskuchen und Oranjekuchen schmecken ließen.  Im Heeger Meer wehte eine steife Brise und wir segelten in Richtung Woudsend, das an einem Kanal liegt. Hier war durch den Feiertag ( Christi Himmelfahrt) reger Schiffsverkehr, alle Liegeplätze am Ufer belegt, sodass wir uns entschlossen nach Balk am Sloter Meer zu segeln. In Balk legten wir im Kanal an und marschierten in Richtung Ortsmitte, ein langer Weg, nur der Genuss einer grossen Eisportion rettete uns, denn es wurde jeden Tag wärmer. Bei der Gelegenheit lernten wir eine Familie aus Utrecht kennen.

Wir wollten eigentlich weiter nach Lemmer, das am Ijsselmeer liegt, doch die Erfahrung mit den überfüllten Häfen ließ uns davon abkommen. So segelten wir nach Sloten, wo wir an einem Schilfgürtel an einem neuen Steg festmachen konnten. Am Abend grillte Wolfgang  in der Plicht Würste und Fleischspieße, dazu gab es Dosenbier.

Mit Rita und Willi Goebel vom Germersheimer Seglerclub, die in Lemmer einen Dauerliegeplatz für ihr Segelboot gemietet haben, verabredeten wir uns  am nächsten Tag für den Nachmittag im Passantenhafen in Heeg. Davor fuhren wir wieder nordwärts über Woudsend ins Heeger Meer, wo wir mit Halbwind 5-6 Windstärken  in Richtung Stavoren segelten. Kurz vor Stavoren  wurde in einer Kanalverengung der Wind noch stärker, daher entschlossen wir uns bei dem dichten Schiffverkehr umzukehren und nach Heeg zurückzusegeln. Im Passantenhafen von Heeg legten wir an und kurze Zeit später kam auch das Ehepaar Goebel mit ihrem Schiff an. Nach einem Begrüßungstrunk holten wir alle unsere Essensvorräte und ließen uns das Abendessen mit Bier und Wein schmecken.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück trennten sich unsere Wege wieder. Rita und Willi fuhren südwärts Richtung Lemmer, Wolfgang und ich segelten am Vormittag bei 5-6 Windstärken auf dem Heeger Meer, machten Rast auf einer kleinen Insel und wollten um 16.00 Uhr in Heeg 2 Brücken zu unserem Ausgangspunkt passieren. An der 1. Brücke sagte uns die Brückenbedienerin, dass die 2. Brücke defekt sei. Da die Reparaturzeit ungewiss war, beschlossen wir bei einer Dame, die sich am Kanal im Liegestuhl sonnte, anzulegen was sie auch erlaubte. Wir legten an der Spundwand an, legten den Mast und bedankten uns mit 1 Flasche Rotwein. Gut, dass wir genügend mitgenommen hatten. Wir tuckerten ganz langsam auf die Brücke zu, halb unter der Brücke stellte sich heraus dass der Mast 5 cm zu hoch war, wir lösten am Bug den Gummispanner etwas und Wolfgang drückte das Mastende etwas nach unten, so reichte es für die Durchfahrt.

Den letzten Abend verbrachten wir an der Gracht in Heeg in einem Restaurant  mit einem ausführlichen Fisch- und Fleischgericht mit viel Gemüse. Beim Rotwein auf dem Schiff wurden wir mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

Am nächsten Tag  wollten wir ja heimfahren, doch am Morgen regnete es erst mal 1 Stunde, doch dann kam wieder die Sonne.  Wir holten das Boot aus dem Wasser, beluden das Auto und machten uns auf den Heimweg.

Fazit: Dank des schönen Wetters konnten wir unsere geplante Rundreise durchführen, wenn auch der Wind nicht immer aus der gewünschten Richtung wehte.  Wir haben nur einen Teil von Friesland befahren, es gibt noch viel zu sehen – bis zum nächsten Mal.

Text und Bilder: Gerhard Höhl